
06.07. 2026
Prozessbasiert Therapie auf dem Deutschen Psychotherapie Kongress 2026 in Berlin
Bildbeschreibung: Hannah Fiehn stellt vor Urheberrechte: Franka Frischling
Den Auftakt machte am 09.06. ein Workshop mit praxisnaher Einführung in die prozessbasierte Therapie von Ulrich Stangier und Stefan Hofmann, die aktuell in dem DYNAMIC-Projekt NECTAR (PIs: Stangier, Hofmann & Rief) untersucht wird. Dabei wurden die Prinzipien einer auf dynamischen Netzwerkanalysen von EMA-Daten beruhenden Therapieplanung und die Förderung positiver Veränderungsprozesse in der therapeutischen Praxis vorgestellt.
Ebenfalls am 09.06. gab Hannah Fiehn eine Kurzvorstellung zur Entwicklung und Validierung eines Fragebogens, der Entscheidungsstile in der evidenzbasierten Psychotherapie untersucht. Das Instrument zielt auf die Erfassung u.a. von prozessbasierten, leitlinienorientierten, erfahrungsbasierten und intuitiven Entscheidungsprozessen bei Therapeut:innen ab, die die Fallkonzeption und Therapieplanung wesentlich beeinflussen. Die gleiche Thematik wird von Simon Müller in einem experimentellen Paradigma mit der Think Aloud-Technik untersucht, das er am 10.06. in einer Posterpräsentation vorstellte.
Viktoria Kohl stellte am 10.06. in dem Symposium zu „Personalisierte, datenbasierte Psychotherapie“ vorläufige Ergebnisse einer randomisiert-kontrollierten Pilotstudie zur prozessbasierten Therapie vor, in der die Wirksamkeit bei Patient:innen mit schwer zu behandelter Depression und Angststörungen dargestellt wurde. Tendenziell zeigte die prozessbasierte Therapie gegenüber der kognitiv-behavioralen Routinetherapie gleiche Wirksamkeit bezüglich Angst und Depression, jedoch eine deutlich stärkere Verbesserung in psychischer Gesundheit.
In dem Praxis-Symposium „Von der Erhebung zur Entscheidung: Personalisierte Netzwerke und digitale Messmethoden in Fallkonzeption und Behandlung“ am 11.06. (Chair: Ulrich Stangier) stellte Lucie Pahlen die Ergebnisse einer Feasibility-Studie vor, in der niedergelassene Psychotherapeut:innen im naturalistischen Setting prozessbasierte Therapie erprobten. Es zeigte sich eine hohe Akzeptanz und wahrgenommene Nützlichkeit des Netzwerkansatzes und der Verwendung von EMA in der Praxis. Darüber hinaus zeigte sich ein ähnliches Ergebnismuster wie in der randomisiert-kontrollierten Pilotstudie: im Vergleich zu Kontrollpatient:innen zeigten prozessbasierte Patient:innen ähnliche Reduktionen in Angst und Depression, jedoch eine signifikant stärkere Erhöhung der psychischen Gesundheit. Im gleichen Symposium stellte Anna Seewald einen Leitfaden zu prozessbasierter Behandlungsauswahl vor, der auf der Grundlage von perceived causal networks (PECANS) Behandlungszuweisungen im teilstationären und ambulanten psychotherapeutischen Setting ermöglicht. Diese prozessbasierten Netzwerke wurden von Patient:innen und Therapeut:innen in einer Machbarkeitsstudie als verständlich, hilfreich und klinisch nützlich bewertet.
Die vorgestellten Arbeiten liefern erste vielversprechende Hinweise darauf, dass ein auf Netzwerkmodellen und EMA-Daten basierender prozessbasierter Therapieansatz in unterschiedlichen Versorgungssettings gut akzeptiert wird, klinisch nutzbar ist und im Vergleich zur kognitiv-behavioralen Routinetherapie insbesondere die Förderung psychischer Gesundheit verbessern kann.

Bildbeschreibung: Viktoria Kohl stellt vor
Urheberrechte: Lucie Pahlen


